Ein 27-jähriger Deutscher hat am 9. Oktober 2019 versucht, in die Synagoge in Halle (Saale) einzudringen, scheiterte jedoch an der Tür des Gebäudes. Daraufhin erschoss er in der Nähe eine Frau und einen Mann. Der mutmaßliche Täter wurde später festgenommen.

Synagoge in Halle (Saale), Jüdischer Friedhof, Humboldtstraße. Foto: Allexkoch/Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

 

Wegen Jom Kippur, des höchsten jüdischen Feier- und Fasttages, an dem in Israel die Medien ihre Berichterstattung für einen Tag eingestellt hatten, hörten viele israelische Bürger erst mit einigen Stunden Verzögerung von den Ereignissen, die sich um die Mittagszeit ereigneten. Auch Israels Politiker warteten mit ihren Stellungnahmen bis zum Sonnenuntergang am 9. Oktober 2019. Der Anschlag sei Ausdruck eines wachsenden Antisemitismus in Europa, lautet dabei der übereinstimmende Tenor. Zahlreiche Politiker, darunter Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud), appellierten an die deutschen Verantwortlichen, entschieden gegen Antisemitismus vorzugehen – mit der „vollen Härte des Gesetzes“, wie es Staatspräsident Reuven Rivlin via Twitter formulierte. Antisemitismus sei nicht bloß ein Problem für die Juden, „sondern er droht uns alle zu zerstören“, sagte der Präsident weiter.

„Antisemitismus bedroht die ganze Welt“

Außenminister Israel Katz wandte sich in einem auch auf Deutsch veröffentlichten Tweet direkt an Bundesaußenminister Heiko Maas: Deutschland müsse Antisemitismus „effektiver“ bekämpfen, schrieb der Minister. Israels UN-Botschafter Danny Danon rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, dem Antisemitismus „den Krieg zu erklären“. „Die Plage des Antisemitismus grassiert in Europa, bedroht aber die ganze Welt“, erklärte Danon laut des Nachrichtenportals „Arutz Scheva“.

Auch Blau-Weiß-Chef Benny Gantz meldete sich zu Wort. Der Anschlag verdeutliche die Notwendigkeit, Antisemitismus zu bekämpfen – „anti-jüdische genauso wie anti-zionistische Bewegungen“, erklärte der bisherige Oppositionsführer bei Twitter. Der Anführer der arabischen „Vereinigten Liste“, Ajman Odeh, kam indes auf den offenbar rechtsextremen Hintergrund des Täters zu sprechen. Die extreme Rechte erstarke in Deutschland, sagte Odeh. Antisemitismus und Islamophobie seien „eng miteinander verbunden“. „Alle, die an Demokratie glauben, mit allen religiösen Hintergründen, müssen sich zusammenschließen, um die abscheulichen Neo-Nazis zurück in die Geschichtsbücher zu schicken“, erklärte der israelische Araber.

Explizite Kritik an der Bundesregierung übte Israels Sicherheitsminister Gilad Erdan (Likud). Diese habe eine „direkte Verantwortung“ für das, was auf ihrem Staatsgebiet passiere, zitiert ihn die Tageszeitung „Ma’ariv“ unter Berufung auf ein Radiointerview. Der Anschlag sei „ein Armutszeugnis“ für die Regierung. Der Minister kam in diesem Zusammenhang auch auf das deutsche Abstimmungsverhalten bei den UN zu sprechen: „Ich sehe den Anschlag nicht ohne Zusammenhang zu den Verurteilungen gegen den Staat Israel bei Einrichtungen der Vereinten Nationen, an denen sich die deutsche Regierung beteiligt.“ Der neue Antizionismus sei antisemitisch.

Minister betonen Verbindung zu Diaspora-Juden

Andere Minister betonten indes die Verbindung zwischen den Juden Israels und denen in anderen Ländern. Bildungsminister Rafi Peretz (Jüdisches Haus) bekräftigte, dass Israel „für immer als Schild für das jüdische Volk in Israel und der Diaspora stehen“ werde. Immigrationsminister Joav Galant (Likud) rief angesichts der Tat alle Juden Europas auf, „die zionistisches Vision“ zu erfüllen und nach Israel zu immigrieren.

Fröhliche Bilder verbreitete indes Antonia Jamin, Europa-Korrespondentin des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Kan. Bei Twitter lud sie ein Video hoch, das mehrere Teilnehmer des Gottesdienstes in Halle einige Stunden nach der Tat zeigt. Die Juden singen und tanzen. Am Ende sagt die Reporterin in die Kamera: „Am Israel chai“ – das Volk Israel lebt!  (Israelnetz)

Die Botschaft des Staates Israel in Deutschland schrieb dazu: 

„Wir sind geschockt und erschüttert von den brutalen Terroranschlägen heute Mittag in Halle, während jüdische Betende in den Synagogen in ganz Deutschland versammelt waren um Yom Kippur zu begehen, dem heiligsten Tag im Judentum.

Gemeinsam müssen wir jede Form von Extremismus ablehnen und vereint gegen solchen sinnlosen Terror vorgehen.

Wir möchten den deutschen Sicherheitskräften unsere Wertschätzung für ihre Mühen ausdrücken, die Sicherheit aller jüdischen Institutionen und Gläubigen an diesem heiligen Tag zu gewährleisten und vertrauen darauf, dass alle Maßnahmen ergriffen werden um die Täter zu fassen und sie umgehend der Justiz zuzuführen.

Unser tiefstes Beileid gilt den Opfern und ihren Familien in dieser schwierigen Zeit. Sie werden in unseren Gedanken und Gebeten sein.“