Der Iran hat offiziell das Uran-Anreicherungslimit von 3,67 Prozent überschritten. Damit verletzt er die Vorgaben aus dem ursprünglich mit sechs Ländern ausgehandelten Atom-Deal. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu nannte die Entwicklung am 7. Juli 2019 „sehr, sehr gefährlich“. Zuvor hatte der Iran schon die erlaubte Anreicherungsmenge von 300 Kilogramm überschritten.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu am 27. September 2018 bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York mit dem Bild einer geheimen Atomanlage im Iran. Foto: GPO/Avi Ohayon

 

Vor seinem Kabinett verglich Netanjahu die iranischen Aktivitäten mit dem Einmarsch Nazi-Deutschlands im Rheinland im Jahr 1936. Dies sei nur ein kleiner Schritt gewesen, doch weil „niemand etwas sagte oder tat“, hätten die Nazis weitere folgen lassen. Schließlich habe dies 1939 in den Zweiten Weltkrieg gemündet. „Deswegen wende ich mich direkt an meine Freunde, die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands: Ihr habt dieses Abkommen unterzeichnet und gesagt, dass es scharfe Sanktionen geben wird, wenn die Iraner es verletzen. Ich frage: Wo seid ihr?“

Europäer bisher machtlos

Die europäischen Vertragspartner äußerten Besorgnis über das Verhalten des Iran. Großbritannien verlangte vom Iran, „alle Aktivitäten zu stoppen und rückgängig zu machen“. Das Auswärtige Amt in Berlin veröffentlichte eine Erklärung, in der es heißt, Deutschland sei „äußerst besorgt“. Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini forderte die Mullahs „dringend“ auf, die Vertragsverletzung zu unterlassen.

Unterdessen drohte der stellvertretende iranische Außenminister Abbas Aragschi damit, binnen 60 Tagen einen dritten Punkt aus dem Abkommen zu verletzen, wenn die Europäer der iranischen Wirtschaft nicht unter die Arme greifen. Worin genau die nächste Maßnahme bestehen soll, sagte er nicht. Die Iraner ächzen unter Sanktionen, seitdem die Amerikaner einseitig aus dem Vertrag ausstiegen. Frankreich, Großbritannien und Deutschland haben sich bemüht, die amerikanischen Sanktionen zu umgehen, jedoch ohne Erfolg.

Israel bereit für den Ernstfall

Die für den Bau einer Bombe benötigte Zeit verhält sich nicht proportional zum Anreicherungsgrad. Das legte der ehemalige stellvertretende Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Olli Heinonen gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“ dar. Zwar müsse das Uran für eine Atombombe auf mindestens 90 Prozent angereichert werden. Bei den nun erreichten 5 Prozent seien aber schon 70 Prozent der Arbeit erledigt. Wenn der Iran seine Drohung wahr macht, das Uran sogar bis auf 20 Prozent anzureichern, wären schon 85 Prozent der Strecke bis zur Bombe geschafft. Je nachdem, welche seiner Zentrifugen der Iran verwendet, könnte er in sechs bis acht Monaten bombenfähiges Material produzieren.

Für die zivile Nutzung ergibt ein so hoher Anreicherungsgrad keinen Sinn. Netanjahu ist daher überzeugt: „Die Uran-Anreicherung geschieht aus einem Grund und nur aus diesem einen Grund: Zur Herstellung von Atombomben.“ Vertreter des Regimes haben wiederholt angekündigt, Israel vernichten zu wollen. Der israelische Außenminister Israel Katz sagte, dass die derzeitigen Spannungen zu einem Krieg führen könnten: „Der Staat Israel beschäftigt sich daher mit dem Aufbau seiner militärischen Kräfte.“ Im Falle eines Krieges habe der Iran „keine Chance“. Trotzdem würde Israel die Konfrontation lieber durch „umfassende Sanktionen“ vermeiden. (Israelnetz)

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