Der wachsende Antisemitismus in Frankreich zeigt sich aktuell an Grabschändungen eines jüdischen Friedhofs und dem Angriff der sogenannten Gelbwesten auf einen jüdischen Philosophen. Der israelische Migrationsminister Galant ruft jetzt jüdische Franzosen auf, nach Israel auszuwandern.

Juden aus Frankreich bei ihrer Ankunft am Ben Gurion-Flughafen bei Tel Aviv (Juli 2017). Foto: Nati Shohat/Flash90

„Heute ist etwas Schockierendes in Frankreich passiert. 80 jüdische Gräber wurden von wilden Antisemiten mit Nazi-Symbolen entweiht.“ Das hat der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu laut seinem Büro am 19. Februar 2019 Dienstag gesagt. Er forderte die politischen Führer in Frankreich und Europa auf, sich entschieden gegen Antisemitismus zu stellen. „Es ist eine Plage, die nicht nur uns, sondern jeden gefährdet. Es muss verurteilt werden wo immer und wann immer es sei seine Fratze erblicken lässt“, führte Netanjahu weiter aus.

Die geschändeten Gräber liegen auf dem jüdischen Friedhof des elsässischen Dorfes Quatzenheim, nahe der deutschen Grenze. Fotos zeigen, dass Hakenkreuze mit blauer und gelber Graffitifarbe auf die beschädigten Grabsteine gesprüht wurden. Auf einem Grabstein steht die Aufschrift „Elsässisches Schwarzen Wölfe“. Das war eine deutsch-nationalistische Gruppe, die in den 1970er- und 1980er-Jahren Brand- und Sprengstoffanschläge auf Symbole des französischen Staates ausführte.

Galant: Kommt nach Hause!

Für den israelischen Minister für Einwanderung Joav Galant beschwören die Fotos der geschändeten Gräber „Bilder aus dunklen Zeiten der Geschichte des jüdischen Volkes“ herauf. „Vergangene Woche habe ich die jüdische Gemeinde in Paris besucht, die antisemitisch angegriffen wird und sich in einem Prozess der Assimilation befindet“, sagte Gallant und rief die französischen Juden auf: „Kommt nach Hause und immigriert nach Israel!“ Der jüdische Staat sei ein sicherer nationaler Hafen für alle Juden weltweit. Laut Gallants Ministerium wanderten 2018 insgesamt 2.679 Juden von Frankreich nach Israel aus.

Der französische Präsident Emmanuel Macron besuchte den Friedhof in Quatzenheim am Dienstagnachmittag. Er drückte seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinde aus. „Antisemitismus ist eine Verneinung von dem, für was Frankreich steht“, sagte Macron. „Wer auch immer das getan hat, ist der französischen Republik nicht würdig und wird bestraft werden. Wir werden agieren und das Gesetz anwenden.“ Die Polizei vermutet hinter dem Vandalismus zwei Personen. Sie hat bislang aber noch keine Verhaftungen vorgenommen.

Am Dienstagabend versammelten sich Tausende Franzosen am Place de la Republique in Paris und in anderen Städten, um gegen den Antisemitismus auf die Straße zu gehen. Laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“ organisierten 14 verschiedene Parteien die Demonstrationen. Anlass war auch ein Bericht, der in Frankreich im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von antisemitischen Aussagen und Taten um 74 Prozent dokumentiert. Für Schlagzeilen sorgte in den vergangenen Tagen auch das Video einer Demonstration der sogenannten Gelbwesten. Die beschimpften den jüdischen Philosophen Alain Finkielkraut am Samstag in Paris auf offener Straße. Die Aktivisten griffen ihn als „dreckigen Juden“ an, der „zurück nach Tel Aviv“ gehen solle. (Israelnetz)

 

 

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