In diesem Jahr fällt der jüdische Versöhnungstag Jom Kippur auf den 9. Oktober. Er beginnt wie alle biblischen Tage und Feste am Vorabend, also bei Sonnenuntergang am 8. Oktober 2019, und endet 25 Stunden später. In den Tagen vor Jom Kippur führen viele religiöse Juden das sogenannte Kapparot-Ritual durch.

Während eines Kapparot-Rituals in Israel. Foto: ISRANET

 

Bei dem Kapparot-Ritual geht es darum, dass die Sünden eines Menschen auf ein Tier übertragen werden, ähnlich wie beim Opferritual am Jom Kippur (3. Mose 16 und 23, 26-32) und bei anderen Sühne- und Schuldopfern, die im Rahmen des israelitischen Tempeldienstes in Jerusalem durchgeführt wurden. Zu diesem Zweck kauft ein gläubiger Jude zuerst ein Huhn – Männer und Jungen einen Hahn, Frauen und Mädchen eine Henne.

Dann wird das Tier zum „Sündenbock“ gemacht und dreimal über dem Kopf eines Menschen geschwungen, verbunden mit besonderen Gebeten und Bibelversen aus den Psalmen und dem Buch Hiob. Zu dem Ritual gehört auch der Spruch: „Dies ist mein Stellvertreter. Dieses Huhn geht dem Tod entgegen, ich aber gehe einem guten Leben und Frieden entgegen.“ Damit verbindet sich der Glaube und die Hoffnung, dass die betreffende Person entsühnt wird, indem ihre Sünden auf das Tier übergehen.

Das Huhn ist normalerweise weiß und wird anschließend geschlachtet und einer bedürftigen Familie geschenkt. Das Ritual, das hauptsächlich in Israel und in New York durchgeführt wird, gibt es nicht in der Bibel und stammt aus dem Mittelalter. Sie ist unter Juden umstritten – manche lehnen es entschieden ab, entweder aus Gründen des Tierschutzes oder weil es nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem (70 nach Christus) keine Opfer mehr geben dürfte.

Fastentag

Jom Kippur ist der einzige im Gesetz des Mose vorgeschriebene Fastentag: „Am Zehnten dieses siebenten Monats ist der Sühnungstag, heilige Berufung soll euch sein, und ihr sollt euch kasteien … denn ein Tag der Sühnung ist er, um für euch Sühne zu erwirken vor dem Ewigen, eurem Gott.“ (3. Mose 23, 26-28) Viele Juden auf der ganzen Welt bitten ihren Gott an diesem Tag um Vergebung der Sünden. Die wichtigste religiöse Vorschrift ist neben ausgedehnten Gottesdiensten das 25-stündige Fasten, das auch von zahlreichen säkularen Juden befolgt wird.

Israel erlebt am Jom Kippur einen Stillstand des öffentlichen Lebens. Unterhaltungs- und Vergnügungsstätten bleiben geschlossen, Fernseh- und Radiosendungen werden eingestellt und der öffentliche Verkehr sollte bis auf  Krankenwagen für Notfälle und Sicherheitskräfte ruhen. Für alle anderen Kraftfahrzeuge besteht die Gefahr, mit Steinen beworfen zu werden. Viele Kinder nutzen den verkehrsfreien Tag, um auf den Straßen mit Fahrrädern, Rollschuhen und Skateboards unterwegs zu sein.

Rund 70 Prozent der jüdischen Israelis halten sich an das Fastengebot für diesen Bußtag. Das Tragen von Lederkleidung und Schmuck, Kosmetik, Baden und Geschlechtsverkehr sind nach jüdischem Gesetz verboten. Gesetzestreue Juden verbringen Jom Kippur betend in einer Synagoge und sind dabei in ein weißes Bußgewand – meist ihr Totengewand – gehüllt.

Jom Kippur-Krieg 1973
Eine besondere Dimension erhält der Tag auch durch die Erinnerung an den Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens auf Israel am Jom Kippur 1973. In dem Krieg vom 6. bis zum 25. Oktober 1973 konnte sich das jüdische Volk nur mit hohen Verlusten gegen die feindlichen Armeen verteidigen und die Kampfhandlungen wurden schließlich durch einen Waffenstillstand beendet.-