In den vergangenen Monaten durften wir zahlreichen Holocaust-Überlebenden bei persönlichen Begegnungen von Herzen Trost spenden und sie in ihrer finanziellen Not unterstützen. Im Folgenden finden sie ein paar Eindrücke von einer dieser wertvollen Begegnungen.

Eis und Feuer, Hunger und Krankheit und Tod –Ada sah in ihrer Kindheit schon mehr, als ein Erwachsener jemals sehen sollte. „Wir waren gerade auf einer Sonntagsexkursion und plötzlich war Krieg“, erinnert sich die 1931 in Leningrad geborene Ada. Ihre Familie blieb zunächst in der von der Wehrmacht belagerten Stadt, wo der Hunger täglich neue Todesopfer forderte.

„Papa gab ein Blüthner-Klavier für einen Sack Mehl her, und das war auch noch mit Benzin verunreinigt. Ich wurde immer geschickt, Brot zu holen. Doch die älteren Jungs haben uns Kinder immer überfallen und alles gestohlen…“

Im April 1942 konnte Ada mit ihrem Bruder und ihrem Vater über den zugefrorenen Ladoga-See fliehen; ihre Mutter arbeitete als Ärztin in einem Lazarett. „Ein LKW fuhr uns über den See. Es war äußerst gefährlich, es fing schon an zu tauen.“

Zunächst suchte Adas Familie Zuflucht in Tschetschenien. „Papa hat Pferd und Wagen gekauft. Am nächsten Tag waren die Deutschen schon in Grosny. Die Stadt liegt ja auf dem Berg. Ich erinnere mich, wie Grosny gebrannt hat, als wir flohen.“

Anemone Rüger zu Gast bei Ada und Wladimir. Foto: A. Rüger

Teils zu Fuß, teils mit dem Pferdewagen gelangen sie bis ins aserbaidschanische Baku. „Es gab kein Wasser dort, nur Melonen… Papas Mutter ist dort verhungert. Aber dort mussten wir auch weg. Wir sind dann in einem Güterzug Richtung Nowosibirsk mitgefahren. Doch unterwegs bekam ich Typhus und musste ins Krankenhaus, und so wurden wir in Dschambul in Kasachstan ausgesetzt.“

Ada erzählt von ihrer Familie. Foto: A. Rüger

Schließlich konnten sie mit Verzögerung zu Verwandten nach Sibirien reisen. „Papa hat dort in der Rüstungsindustrie gearbeitet. Ich habe den Haushalt geführt und mich um meinen kleinen Bruder gekümmert. Mamas Eltern haben in Nemirow in der Ukraine gelebt. Sie liegen mit Mamas zwei Schwestern in den Massengräbern dort…“

Gegen Kriegsende konnte Adas Mutter die Familie wieder ins befreite Leningrad zurückholen. Ada wurde später Krankenschwester. Im Mai 1990 kam sie mit ihrer Familie nach Israel. „Ich hatte mir das schon lange gewünscht“, so Ada. „Bevor wir fuhren, konnte ich kaum schlafen. Wir haben die Tür mit Eisenstangen verriegelt. Jede Nacht kamen Anrufe: „Seid ihr endlich verschwunden?!“ Unsere Verwandten wurden damals durch die Mafia umgebracht.

Wir sind über Budapest nach Israel gekommen, gleich zu Beginn, als sich die Grenzen öffneten. Ich habe es nie bereut, nicht eine Minute. Wir sind hier gut versorgt worden. Und wir beten für den Frieden Jerusalems.“ „Danke für alle eure Hilfe“, fügt Wladimir hinzu. „Wir haben das Leben hier noch einmal neu geschenkt bekommen.“

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