Der Tempelberg in Jerusalem steht unter moslemischer Verwaltung, Juden ist es nicht erlaubt, dort zu beten. Das soll sich nach den Vorstellungen von Israels Sicherheitsminister Erdan bald ändern. Nach den jüngsten Unruhen auf dem Areal oberhalb der Westmauer, auf dem jetzt der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee stehen, hat sich der israelische Politiker dafür ausgesprochen, dass Juden wieder auf dem Tempelberg beten dürfen. Dafür ist er von Jordanien erwartungsgemäß kritisiert worden.

Der Tempelberg in Jerusalem mit dem Felsendom, auf der gegenüberliegenden Seite des Areals steht die Al-Aqsa-Moschee (rechts bei der Baumgruppe, nicht auf dem Bild), im Vordergrund die Westmauer und die Mughrabi-Brücke. Foto: ISRANET

 

Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde nach der israelischen Eroberung der Jerusalemer Altstadt und Ostjerusalems der Tempelberg in der Obhut der jordanischen Waqf-Behörde belassen. Diese islamische Institution entfernte alle Hinweise auf eine jüdische Präsenz auf dem Areal. Der Ort gilt im Judentum als die heiligste Stätte und im Islam als drittheiligster Ort. Im Friedensabkommen zwischen Israel und Jordanien 1994 bestätigte der jüdische Staat Jordaniens Aufsicht über den Tempelberg. Nicht-Muslime dürfen das Areal nur nach strengen Sicherheitskontrollen über die Mughrabi-Brücke an der Westmauer mit zeitlichen Einschränkungen betreten, nämlich nur außerhalb der moslemischen Gebetszeiten und nicht freitags, zudem ist ihnen das Beten auf dem Tempelberg zurzeit untersagt.  

Unruhen auf dem Tempelberg

Am 11. August 2019 wurden bei Unruhen auf dem Tempelberg mehr als 60 Menschen verletzt. Muslime hatten versucht zu verhindern, dass Juden das Areal zum Trauertag Tischa BeAv betreten. An diesem Fasttag wird der Zerstörung des jüdischen Tempels gedacht. Für Muslime war es der Beginn des Opferfestes Eid al-Adha. Daher wurde Juden in den Morgenstunden auf Anweisung der israelischen Regierung der Zutritt nicht erlaubt.

Zunächst hielten sich jüdische Gläubige vor dem Mughrabi-Zugang auf. Später konnten unter Polizeischutz nach offizieller Zählung insgesamt 1.729 Juden in Gruppen den Tempelberg betreten. Muslime bewarfen sie mit Stühlen und anderen Objekten, die Polizei antwortete mit Tränengas und Gummigeschossen. Jordaniens Außenminister Ajman Safadi machte Israel für die gewaltsamen Ausschreitungen verantwortlich und klagte den jüdischen Staat für die Verletzung der Heiligkeit der Al-Aqsa-Moschee an.

Der israelische Sicherheitsminister Gilad Erdan, dessen Ministerium für die Polizei und die Sicherheit auf dem Tempelberg zuständig ist, sagte in einem Radio-Interview am 13. August 2019: „Ich denke, es gibt eine Ungerechtigkeit im Status quo, der seit 1967 existiert. Wir müssen daran arbeiten, das zu ändern, damit Juden mit der Hilfe Gottes auf dem Tempelberg beten können.“ Dieses Ziel wolle er allerdings durch diplomatische Abkommen und nicht durch Militärgewalt erreichen.

Die jordanische Regierung schickte noch am selben Tag einen formalen Protestbrief an die israelische Regierung, um ihren Widerstand gegen Erdans Aussagen Ausdruck zu verleihen. Sie warnte vor den Konsequenzen, die jegliche Versuche hätten, den aktuellen rechtlichen Status zu verändern, und forderte Israel auf, den Status quo zu belassen. (Israelnetz/Redaktion)