Israelis äthiopischer Herkunft sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als der Rest der Bevölkerung. Das geht aus Zahlen hervor, welche die israelische Arbeitsvermittlung am 24.November 2019 veröffentlicht hat. Anlass war das äthiopische Sigd-Fest, das am Abend des 26. November 2019 begonnen hat.

Juden aus Äthiopien feiern in Jerusalem das Sigd-Fest. Foto: ISRANET

 

Die Arbeitsvermittlung weist aber auch auf einen positiven Trend hin: In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Arbeitssuchenden mit äthiopischen Wurzeln zurückgegangen. Demnach meldeten sich 2013 monatlich 6.587 Israelis aus dem dem äthiopischen Sektor als arbeitssuchend. 2019 waren jeweils 3.951 Menschen in dieser Gruppe und damit 40 Prozent weniger ohne Anstellung, schreibt die Tageszeitung „Jerusalem Post“ unter Berufung auf die Studie. Die Zahl der Arbeitslosengeldempfänger verringerte sich gleichzeitig von 2.745 auf 2.223, also um 19 Prozent.

Ebenfalls am 24. November 2019 veröffentlichte das Zentrale Statistikamt Zahlen zur Bevölkerungsstruktur. Ende 2018 lebten demzufolge etwa 151.800 äthiopisch-stämmige Israelis im Land. Von ihnen waren 86.000 in Äthiopien und 64.000 in Israel geboren. 208 Äthiopier wanderten 2018 nach Israel ein – entweder aufgrund des Rückkehrrechts oder im Rahmen einer Familienzusammenführung.

Die größte Zahl von Israelis mit äthiopischen Wurzeln lebt mit 11.000 in Netanja. Die Küstenstadt hat insgesamt rund 245.000 Einwohner. Den höchsten Anteil äthiopisch-stämmiger Bewohner kann mit 16,3 Prozent Kiriat Malachi, südöstlich von Aschdod, für sich verbuchen.

Sigd-Fest: Ernster Anfang, fröhliche Fortsetzung

Das Sigd-Fest feiern äthiopische Juden am 29. Tag des jüdischen Monats Cheschwan. Je nach Tradition wird es auf das 6. oder auch das 15. Jahrhundert zurückgeführt. Anfang des Jahres 2008 hatte die Knesset das Sigd-Fest als nationalen Feiertag anerkannt.

Bereits als die äthiopischen Juden noch in Afrika lebten, begann das Fest als Fasttag. Im Laufe des Tages bestiegen die Gläubigen in einer Prozession den Gipfel eines Berges und trugen die äthiopische Thora mit sich. Dann rezitierten sie Gebete, Psalmen und Verse aus dem Buch Nehemia. Mit dieser Zeremonie wurde des Empfangs der Tora auf dem Berg Sinai gedacht. Beim Abstieg wurde schließlich das Fasten gebrochen, es wurde musiziert, gesungen und getanzt. Diese Zweiteilung zwischen Fasten und Festfreude haben die Äthiopier in Israel beibehalten.

Rivlin: „Feiern wir dieses Fest?“

Am 25. November 2019 erwähnte Staatspräsident Reuven Rivlin das Fest auf einer Bildungskonferenz unter dem Titel „Die Grenzen des israelischen Klassenzimmers“. „Der Monat Cheschwan ist berüchtigt oder gesegnet, je nachdem, wen man fragt, da er keine jüdischen Feiertage hat und eine lange, ununterbrochene Routine bietet“, zitiert ihn die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“. Aber seit der Einwanderung von Juden aus Äthiopien nach Israel habe der Cheschwan seinen eigenen Feiertag erhalten, das Sigd-Fest. Deshalb könne der Monat nicht mehr als „bitter“ bezeichnet werden.

„Feiern wir dieses Fest?“, fragte Rivlin. „Wird es in unseren Klassenzimmern erwähnt? Haben äthiopisch-israelische Kinder, und die Kinder von äthiopischen Israelis, das Gefühl, dass der israelische Klassenzimmer sie auch einschließt?“ (Israelnetz)