Terroristen aus dem Gazastreifen haben seit dem 12. November 2019 Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert. Bis zum 14. November 2019 zählte die Armee mehr als 450 Geschosse. Eine Million Israelis flohen in die Schutzbunker. Durch die Einschläge wurden etwa 50 Personen verletzt. Außerdem entstand erheblicher Sachschaden. Das Abwehrsystem Eisenkuppel fing 90 Prozent der Raketen ab. Auch in Tel Aviv und Be’er Scheva war Raketenalarm zu hören.

Nach dem Einschlag einer Rakete aus dem Gazastreifen am 12. November 2019 in der südisraelischen Stadt Sderot kam es zu einem schweren Brand. Foto: Noam Revkin

 

Aufgrund der kritischen Lage blieben die Schulen in Südisrael auf Anweisung der Armee am 12. November 2019 geschlossen; dies geschah zum ersten Mal seit der Militäroperation „Starker Fels“ im Sommer 2014. Die Armee hatte zudem die Bewohner der Region angewiesen, nicht zur Arbeit zu gehen. Die Hafenstadt Aschdod glich gemäß Berichten von Rundfunkreportern einer „Geisterstadt“. Gegen 10 Uhr Ortszeit änderte die Armee die Maßgabe und teilte mit, jeder könne nun zur Arbeit gehen, vorausgesetzt in der Nähe des Arbeitsplatzes befindet sich ein Bunker. Am Vormittag erwiderte die Luftwaffe das Raketenfeuer. Sie flog nach eigenen Angaben Angriffe auf Terrorziele im Gazastreifen. Nach offiziellen Angaben aus dem Gazastreifen wurden dabei drei Palästinenser getötet.

Armee: Nächster Angriff stand bevor

Das Raketenfeuer ist eine Reaktion auf die gezielte Tötung eines Kommandeurs der Terrorgruppe Islamischer Dschihad, Baha Abu al-Ata. Gegen 4:00 Uhr am 12. November 2019 griff die Luftwaffe sein Haus in Gaza-Stadt. Auch seine Ehefrau kam dabei um. In der Stadt wurde Atas Tod über die Lautsprecher von Moscheen verkündet.

Laut Armee war Ata verantwortlich für hunderte Terrorangriffe gegen israelische Zivilisten und Soldaten. „Seine nächste Attacke stand unmittelbar bevor.“ Zudem habe der 42-Jährige die Versuche sabotiert, mit der Hamas zu einer Einigung bezüglich einer Waffenruhe zu kommen. Das sagte Armeechef Aviv Kohavi am Dienstag in einer im Fernsehen übertragenen Stellungnahme.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu nannte Ata eine „tickende Zeitbombe“. Die Militäroperation habe das Kabinett einstimmig vor zehn Tagen bewilligt. Er ergänzte: „Wir sind nicht an einer Eskalation interessiert, aber wir werden, wenn nötig, auf eine solche reagieren.“

Zum Zeitpunkt der gezielten Tötung war Netanjahu offiziell noch Verteidigungsminister; der Chef der Partei „Neue Rechte“, Naftali Bennett wurde am 10. November 2019 zwar als sein Nachfolger bestätigt, sollte das Amt aber erst am 12. November 2019 antreten.

Der Islamische Dschihad ist nach der Hamas die zweitgrößte Terrorgruppe im Gazastreifen. Deren offizielles Ziel ist es, Israel zu vernichten. Sie wird vom Iran unterstützt. Der militärische Flügel nennt sich „Al-Quds-Brigaden“. Ata war für den nördlichen Gazastreifen zuständig. Bei der Beerdigung des getöteten Kommandeurs teilte die Gruppe mit, sich auf einen „Krieg“ mit Israel vorzubereiten. Israel habe einen „rote Linie“ überschritten.

Regierungen verurteilen Raketenfeuer

Unterdessen haben mehrere Regierungen das Raketenfeuer verurteilt, darunter Tschechien und Schweden. Der Chef der österreichischen Partei ÖVP Sebastian Kurz betonte, Israel habe das Recht, sich zu verteidigen. Kurz‘ Partei ging siegreich aus den letzten Nationalratswahlen hervor; er führt aktuell Gespräche zur Regierungsbildung.

Der Staatenverbund Europäische Union forderte eine sofortiges Ende des Raketenbeschusses auf Zivilisten: „Eine schnelle und vollständige Deeskalation ist nun notwendig, um die Leben und die Sicherheit von palästinensischen und israelischen Bürgern zu garantieren.“ Der deutsche Außenminister Heiko Maas gab am Mittag via Twitter bekannt, dass die deutsche Botschaft in Paris renoviert und neu eröffnet wurde. Zu den Raketenangriff nahm er bis Mittag auf Twitter keine Stellung.

Die Politikerin der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Hanan Aschrawi, verurteilte die gezielte Tötung. „Israels Rückkehr zur illegalen und kriminellen Politik der außergerichtlichen Tötungen und die absichtliche Missachtung der Leben palästinensischer Einwohner ist rücksichtslos und kriminell“, sagte sie laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Der Leiter des Politbüros der Terror-Organisation Hamas, Ismael Hanije, sprach dem Islamischen Dschihad sein Bedauern über Atas Tod aus. „Die israelischen Verbrechen werden die Palästinenser dazu bringen, auf ihre Rechte zu bestehen und alle Formen des Widerstandes gegen die israelische Besatzung anzuwenden“, sagte er laut einer Mitteilung der Hamas. (Israelnetz/ df / Ulrich W. Sahm)