Den Abschluss der jüdischen hohen Feiertage im Herbst bildet Simchat Tora. Es ist das Fest über die Freude der Gabe der Tora, der Weisung, also der fünf Bücher Mose. Es wird in der Bibel nicht erwähnt, hat sich aber im 14. Jahrhundert als Feiertag durchgesetzt.

Orthodoxe Juden an Simchat Tora in einer Synagoge in Jerusalem. Foto: ISRANET

In Israel fällt Simchat Tora mit dem Schmini Atzeret zusammen, dem achten Tag des Laubhüttenfestes. Dieses geht auf 3. Mose 23 und 4. Mose 29 zurück. Außerhalb Israels wird das Fest einen Tag später, am zweiten Tag des Schmini Atzeret, gefeiert. Anfangs wurden zu diesem Anlass vor allem Pijjutim gesungen, liturgische Gedichte, die die festgeschriebenen Gebetstexte ersetzen sollten.

Tanz mit der Tora

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts hat sich die Tradition durchgesetzt, dass die Gläubigen mit der handgeschriebenen Torarolle ihrer Synagoge durch ihre Gotteshäuser tanzen. Dabei wird das Rednerpult in der Synagoge siebenmal umrundet – Vorlage ist hier die biblische Geschichte, wie sie in Josua 6 beschrieben wird: Um die kanaanitische Stadt Jericho einzunehmen, sollten die Israeliten sechs Tage lang je einmal um Jericho marschieren und am siebten Tag die Stadt unter lautem Posaunenschall sieben Mal umrunden.

Bis heute tanzen Juden in Jerusalem mit ihrer Torarolle singend durch die Straßen und tragen die Schrift bis zur Klagemauer. Dieses Freudenfest geht oft über mehrere Stunden und wer es erlebt, dem wird deutlich, woher das Fest Simchat Tora seinen Namen hat.

In einem Jahr durch die Bibel

Bis zum Jahr 200 wurde die Tora in Israel in dreieinhalb Jahren durchgelesen. Danach legten die jüdischen Gelehrten im babylonischen Exil den Jahreszyklus fest. Bis heute wird in jüdischen Gotteshäusern in einem Jahr die gesamte Tora durchgelesen. Die fünf Bücher Mose sind in 54 Abschnitte geteilt, die sogenannten Paraschot HaSchavua, von denen je eine am Schabbat in der Synagoge gelesen wird.

Der letzte Wochenabschnitt stellt den kürzesten Teil dar und wird zu Simchat Tora gelesen. Wer ihn vorlesen darf, dem wird als Ehrentitel der „Bräutigam der Tora“ zugedacht. Anschließend liest ein anderer Mann den ersten Abschnitt aus dem ersten Buch Mose vor – er wird „Bräutigam von Bereschit“ beziehungsweise „Bräutigam des Anfangs“ genannt. Der Name bezieht sich damit auf das erste Wort sowie das erste Buch der Bibel.

Süßigkeiten und geistliche Speise

Das Gebot, in Laubhütten zu sitzen, gilt an Simchat Tora nicht mehr und auch die „vier Arten“ tragen Juden zum Morgengebet nicht mehr mit sich. Etwas Besonderes gibt es trotzdem: Aus Freude über die Tora werden in den Gottesdiensten Süßigkeiten an Kinder verteilt. Dieser Brauch ist bereits seit dem Mittelalter überliefert. Joni, ein ehemals religiöser Jerusalemer, teilt seine besonderen Erinnerungen an das Fest: „Als Kinder haben wir uns über die Bonbons gefreut, die uns zugeworfen wurden. Und dann durften wir mittanzen. Und als wir unsere Bar Mitzva hatten, durften wir den Toraschrein mit umrunden und die Wochenabschnitte lesen.“

Mit einem Augenzwinkern zitiert er aus Jeremia 15: „Als Erwachsene denken wir an den Vers: ‚Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost.‘“ Unabhängig davon, ob Simchat Tora diese Worte für sich in Anspruch nimmt, geht der Vers weiter: „Denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.“

Simchat Tora ist der letzte der hohen Feiertage. Viele Israelis, die seit dem Jüdischen Neujahr fast durchgängig im Betriebsurlaub waren, nehmen ihre Arbeit wieder auf und auch die Schule beginnt wieder. Die vielen Aufgaben und Termine, die sich während der vergangenen Wochen angestaut haben, warten darauf, abgearbeitet zu werden. Und so ist auf der Straße nun zum vorerst letzten Mal „chag sameach“ (frohes Fest) zu hören, beziehungsweise: „ein fröhliches Nachdenken über die Gabe der Tora!“ (Israelnetz)