Kurz vor einem Angriff auf iranische Stellungen soll US-Präsident Trump den Befehl zum Rückzug gegeben haben. Israelische Sicherheitskrise befürchten nun, der Iran könnte dies als Schwäche deuten.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu (links) und US-Präsident Donald Trump am 5. März 2019 im Weißen Haus in Washington. Foto: GPO/Amos Ben-Gershom

 

Nach dem Abschuss einer amerikanischen Aufklärungsdrohne durch den Iran haben sich die Spannungen zwischen den beiden Ländern verschärft. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge hat US-Präsident Donald Trump am 20. Juni 2019 bereits grünes Licht für Vergeltungsschläge gegeben, sich am Abend dann aber doch anders entschieden. Flugzeuge und Schiffe sind demnach für einen Angriff bereits in Stellung gewesen, doch kein Schuss sei abgefeuert worden.

Am 21. Juni 2019 bestätigte Trump den Bericht in einem Tweet. Nach eigener Darstellung brach er den Angriff ab, weil die zu erwartende Zahl der Todesopfer unverhältnismäßig ausgefallen wäre. Kurz vor dem Angriff habe er einen General gefragt, wie dieser die Zahl der Opfer bei einem Angriff einschätze. Der General sei von 150 Opfern ausgegangen.

Ebenfalls am 21. Juni 2019 berichtete die Nachrichtenagentur „Reuters“, Trump habe den Iran unter Androhung baldiger Angriffe dazu aufgefordert, den Atomdeal nachzuverhandeln. „Reuters“ beruft sich auf iranische Vertreter. Diese hätten den USA in einer vorläufigen Antwort mitgeteilt, dass der oberste Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, gegen Verhandlungen sei. Die Botschaft werde jedoch an ihn übermittelt. Der Austausch zwischen den beiden Seiten erfolgte über den Oman.

 

Streit um Abschussort

Die USA bestätigten unterdessen den Abschuss der Drohne, der am 17. Juni 2019 durch iranische Boden-Luft-Raketen erfolgte. Strittig ist der Ort: Der iranische Außenminister Muhammad Sarif betonte, die Drohne habe sich in iranischem Hoheitsgebiet befunden; das Militär sei im Besitz einiger Trümmer. Die USA sagen hingegen, das Flugobjekt habe die internationalen Gewässer nicht verlassen.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu rief am 20. Juni 2019 „alle friedensliebenden Länder“ dazu auf, die USA in dem Konflikt zu unterstützen. „In den vergangenen 24 Stunden hat der Iran seine Aggressionen gegen die USA und gegen uns alle verstärkt“, sagte er laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. Nicht genannte Vertreter des Sicherheitsapparates gaben unterdessen ihrer Sorge Ausdruck, die USA könnten nicht entschieden genug gegen den Iran vorgehen. Teheran könne dies als Schwäche Washingtons deuten. (Israelnetz)